Die Rechte der Muslime zueinander

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Er überbrachte die Botschaft und ermahnte die Gemeinschaft, möge ALLÂH ihn mehr als alle anderen Propheten belohnen. O ALLÂH, gebe dem Propheten Muhammad und seinen Âl einen höheren Rang, so wie Du dem Propheten Ibrâhîm und seinen Âl einen hohen Rang gegeben hast. Und gebe dem Propheten Muhammad und seinen Âl Segen, so wie Du dem Propheten Ibrâhîm und seinen Âl Segen gegeben hast. Du bist Derjenige, Der mit vollkommener Macht und Gnade beschrieben wird und Derjenige, Der das Recht hat, gepriesen zu werden.

Sodann, Diener Gottes, ich fordere euch und mich zur Rechtschaffenheit auf und zur Furcht vor ALLÂH, dem Erhabenen und Allmächtigen.

ALLÂHU Ta^âlâ sagt in der Sûrah Âl ^Imrân, Âyah 102:           

﴿يَا أَيُّهَا الَّذِينَ ءامَنُواْ اتَّقُواْ اللهَ حَقَّ تُقَاتِهِ وَلاَ تَمُوتُنَّ إِلا وَأَنتُم مُسْلِمُونَ﴾

Die Bedeutung lautet: O ihr Gläubigen, seid rechtschaffen und sterbt als Muslime.

Imâm Muslim überlieferte über Abû Hurayrah, möge ALLÂH ihm gnädig sein, dass der Prophet ﷺ folgendes sagte:

"حَقُّ المسلِمِ علَى المُسلِمِ سِتٌّ. قِيلَ مَا هُنَّ يا رَسُولَ اللهِ؟ قالَ: إِذَا لَقِيتَهُ فَسَلِّمْ عليهِ وَإِذَا دَعاكَ فأَجِبْهُ، وَإِذَا اسْتَنْصَحَكَ فَانْصَحْ لَهُ وَإِذَا عَطَسَ فَحَمِدَ اللهَ فَشَمِّتْهُ، وَإِذَا مَرِضَ فَعُدْهُ، وَإِذَا مَاتَ فَاتْبَعْهُ"

Die Bedeutung lautet: „Die Rechte eines Muslims gegenüber eines anderen Muslims sind sechs.“ Man fragte ihn: „Was sind diese Rechte, o Gesandter Gottes?“ Er sagte: „Wenn du ihn siehst, grüß ihn, wenn er dich einlädt, nimm die Einladung an, wenn er dich um einen Ratschlag bittet, gib ihm einen Rat, wenn er niest und ALLÂH dankt, dann bitte Gott um Vergebung für ihn (dies nennt man Taschmît), wenn er krank ist, besuche ihn und wenn er stirbt, sei bei seiner Bestattung dabei.“

In diesem Hadîth werden die Rechte des Muslims gegenüber einem anderen Muslim nicht auf diese sechs Weisungen beschränkt, sondern es wird hier die Wichtigkeit dieser genannten Rechte hervorgehoben.

Das erste Recht lautet: Wenn du ihn siehst, grüß ihn.

So gehört zu den Rechten deines muslimischen Bruders dir gegenüber, dass du ihm mit dem Gruß entgegenkommst, wenn du ihn siehst, indem du sagst: „As-Salâmu ^alaykum“ und wenn du willst, kannst du noch „wa Rahmatu l-Lâhi wa Barakâtuhû“ hinzufügen.

Dies bedeutet, 'ihr seid im Schutz Gottes' oder 'der Schutz soll euer Begleiter sein' und dies ist ein Bittgebet für den Muslim.

Imâm Muslim überlieferte, dass der Gesandte Gottes ﷺ sagte:

"وَالَّذِي نَفْسِي بِيَدِه لا تَدْخُلونَ الجنَّةَ حَتَّى تُؤْمِنُوا، وَلا تُؤمِنُوا حتى تَحَابُّوا، أَوَلا أَدُلُّكُمْ على شَىْءٍ إذَا فَعَلْتُمُوهُ تَحَابَبْتُمْ؟ أَفْشُوا السَّلامَ بَيْنَكُمْ"

In dieser Aussage legte der Prophet ﷺ den Gefährten ans Herz, den Gruß untereinander zu sprechen und er ﷺ gab uns zu verstehen, dass dies die Liebe der Muslime zueinander stärkt.

Der Prophet ﷺ lehrte uns, sowohl diejenigen zu grüßen, die wir kennen als auch diejenigen, die wir nicht kennen.

Die Gelehrten sind sich darüber einig, dass es empfohlen ist, den Gruß zu beginnen. Wenn aber ein verantwortlicher Muslim einen bestimmten Muslim gegrüßt hat, dann ist es eine individuelle Pflicht, diesen Gruß zu erwidern, d. h. dieser Muslim, der gegrüßt wurde, muss diesen Gruß selbst erwidern. Wenn ein verantwortlicher Muslim jedoch eine Gruppe verantwortlicher Muslime grüßt, dann ist das Erwidern des Grußes eine kollektive Pflicht, d. h. es würde schon ausreichen, wenn nur einer von diesen Muslimen den Gruß erwidert. Dieses Gesetz gilt für gleichgeschlechtliche Personen. Wenn die Personen verschiedenen Geschlechts sind und eine junge Frau z. B. einen Mann grüßt, der für sie als Adjnabiyy zählt, oder umgekehrt, dann ist das Erwidern des Grußes keine Pflicht. Dies wäre jedoch erlaubt, wenn dadurch kein Unheil (Fitnah) befürchtet wird.

Zu den Anstandsregeln, wer wen zuerst grüßt, gehört, dass der Reitende den Laufenden, der Laufende den Sitzenden und die kleine Menge die große Menge zuerst begrüßt. Und so, wie es empfohlen ist sich zu grüßen, wenn man sich trifft, so ist es auch empfohlen, sich mit dem Gruß zu verabschieden.

Das zweite Recht lautet: Die Einladung anzunehmen, wenn es sich um eine Walîmah handelt.

Der Prophet ﷺ sagte (sinngemäß): „Wenn er dich einlädt, nimm die Einladung an.“ Eine Walîmah trifft für jede Einladung zu, die zu freudigen Anlässen gemacht wird, wie z. B. zur Hochzeit und Beschneidung. Der Muslim liebt das Gute für seinen muslimischen Bruder, so wie er das Gute für sich selbst liebt.

Es besteht kein Zweifel daran, dass das Annehmen dieser Einladung auf die Liebe zum anderen hinweist, so sagte der Prophet ﷺ:

"إذَا دُعِيَ أحدُكُمْ إلَى وَليمَةٍ فَلْيَأْتِهَا".

Die Bedeutung lautet: Wenn einer von euch zu einer Walîmah eingeladen wurde, so soll er hingehen.

Die islamischen Gelehrten sagten: Wenn es sich bei der Walîmah um eine Hochzeitseinladung handelt, so ist es Pflicht hinzugehen.

So darf man dieses nicht ohne einen islamisch-rechtlichen Grund unterlassen. Es ist jedoch nicht Pflicht vom Essen, das bei der Walîmah serviert wird, zu essen, sondern dies gilt als empfohlen (Mustahabb).

Die islamischen Gelehrten haben die islamisch-rechtlichen Gründe zusammengefasst, die es einem erlauben, auf solch eine Walîmah nicht hinzugehen.

Zu diesen Gründen gehört, wenn bei der Walîmah Verbotenes stattfindet, wie z. B. das Trinken von Alkohol, so wie es in der heutigen Zeit verbreitet ist. Wir bitten ALLÂH um Schutz davor. Wenn es sich bei der Walîmah um keine Hochzeitseinladung handelt, so besteht keine Pflicht hinzugehen. Erfreut man aber dadurch das Herz des Muslims, so wird man dafür belohnt, wenn man hingeht.

Das dritte Recht lautet: Wenn er dich um einen Ratschlag bittet, gib ihm einen Rat.

Der Ratschlag beinhaltet, den Muslim zum Guten zu weisen, was für ihn im Jenseits und auf dieser Welt von Nutzen ist.

Man ist dazu verpflichtet, den anderen darauf hinzuweisen bzw. ihm einen Ratschlag zu erteilen, wenn es sich dabei um die Ausführung der Pflichten und das Unterlassen der Sünden handelt.

Empfohlen (Mandûb) ist es, wenn es sich dabei um das Ausführen von Empfohlenem und das Unterlassen von Verpöntem (Makrûh) handelt.

Dabei ist zu beachten, dass nicht jede Person für die Erteilung eines Ratschlags geeignet ist, sondern nur bestimmte Personen, die für ihre Rechtschaffenheit und ihr islamisches Wissen bekannt sind.

Das vierte Recht lautet: wenn er niest und ALLÂH dankt, dann bitte Gott um Vergebung für ihn (dies nennt man Taschmît). Taschmît bedeutet, Bittgebet um Gutes und Segen für ihn.

Der Prophet ﷺ sagte:

"إذا عَطَسَ أحدُكم فَلْيَقُلْ الحمدُ للهِ وَلْيَقُلْ لَهُ أَخوهُ أو صاحِبُهُ يَرْحَمُكَ اللهُ فَإِذَا قالَ لَهُ يَرْحَمُكَ اللهُ فليَقُلْ يَهْدِيكُمْ اللهُ وَيُصْلِحُ بالَكُم".

Die Bedeutung lautet: „Wenn einer von euch niest, so soll er "Al-Hamdu lillâh" sagen. Sein Bruder oder Freund sagt dann zu ihm: "Yarhamuka l-Lâh".“

Wenn dieser zu ihm "Yarhamuka l-Lâh" gesagt hat, dann soll er zu diesem sagen: "Yahdîkumu l-Lâh wa yuslihu bâlakum".

Wenn der Niesende nicht "Al-Hamdu lillâh" sagt, so soll man ihm auch kein Taschmît aussprechen. Dies geht aus einer Überlieferung des Propheten ﷺ hervor, als zwei Männer in der Anwesenheit des Propheten niesten. Der Prophet ﷺ hat den Taschmît dem einen Mann ausgesprochen und dem anderen nicht. Der Mann sagte darauf zum Propheten ﷺ: „Diesem hast du Taschmît gesagt und mir nicht.“ Der Prophet sagte (sinngemäß): „Er hat "Al-Hamdu lillâh" gesagt und du nicht.“

Das fünfte Recht lautet: „Wenn er krank ist, besuche ihn.

Diese Handlung führt zur Erhaltung der Liebe zwischen den Muslimen und die Verwandten sollten dies ausdrücklich untereinander beachten.

Der Prophet ﷺ pflegte seine Gefährten zu besuchen, sie zu fragen, wie es ihnen geht, Bittgebete für sie zu sprechen und sich nicht lange bei den Kranken aufzuhalten.

So sollte man beim Besuch eines kranken Muslims auf diese Hinweise achten:

Man sollte sich mit dem Kranken über etwas unterhalten, was ihn erfreut. Und wenn man ihn nach seiner Krankheit fragt, dann soll man ihm tröstende Worte sagen, indem man ihm z. B. sagt, dass diese Krankheit bald vorbei sein werde und, wenn es zutrifft, dass diese Krankheit meistens oder allgemein heilbar sei.

Man soll das übermäßige Sprechen vermeiden und den Kranken wegen seiner Krankheit nicht in Angst und Schrecken versetzen. Der Besucher sollte den Kranken um Bittgebete für ihn bitten. Es wird überliefert, dass die Engel für denjenigen um Vergebung bitten, der die Kranken besucht und dass Gott diesem gnädig ist, bis dieser von seinem Krankenbesuch zurückkehrt.

Das sechste Recht lautet: Wenn er stirbt, sei bei seiner Bestattung dabei.

Derjenige, der bei der Bestattung eines Muslims anwesend ist, erhält so viel Belohnung wie die Größe des Berges Uhud.

Imâm al-Bukhâriyy überlieferte über Abû Hurayrah, dass der Prophet ﷺ sagte:

"مَنِ اتَّبَعَ جِنَازَةَ مُسْلِمٍ إِيمَانًا وَاحْتِسَابًا وَكَانَ مَعَهُ حَتَّى يُصَلي عليهَا وَيفرغ من دفنِها فَإِنَّهُ يَرْجِعُ (مِنَ الأَجْرِ) بِقِيراطَيْنِ كُلُّ قِيراطٍ مِثْلُ جَبَلِ أَحَدٍ، وَمَنْ صَلَّى عليهَا ثم رجَعَ قَبْلَ أَنْ تُدْفَنَ فَإِنَّهُ يَرْجِعُ بقِيراطٍ".

Die Bedeutung lautet: Derjenige, der bei der Bestattung eines Muslims anwesend ist, mit der Absicht von ALLÂH Belohnung zu erlangen, und dort bleibt, bis er das Verstorbenengebet für ihn mitgebetet hat und abwartet, bis man ihn beerdigt, erhält zwei Qîrât an Belohnung, jeder Qîrât ist wie die Größe des Berges Uhud. Und derjenige, der nur bis zur Verrichtung des Totengebetes anwesend war, mitbetet und vor der Beerdigung geht, erhält einen Qîrât an Belohnung.

Es ist bekannt, dass die Bestattung eines Muslims und alles, was damit zusammenhängt, eine kollektive Pflicht ist. Wenn ein Teil der Muslime diese Pflicht ausführt, ist es für die anderen nicht mehr Pflicht.

Für die Männer ist es empfohlen, beim Trauerzug hinter dem Toten zu gehen, für die Frauen ist dies nicht empfohlen. Man sollte hinter dem Toten gehen und dabei nicht reden, sondern sich dem Loben und Preisen Gottes widmen und an den Tod denken, dass dieser jeden von uns erreichen wird und dass man sich vom Weltlichen nicht verführen lassen soll.

Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn man während des Trauerzuges       "Lâ ´ilâha ´illa l-Lâh" sagt. Die Aussage einiger Menschen einer Gruppierung, die Gott einen Körper zuschreiben und behaupten, dass es verboten wäre, während des Trauerzuges "Lâ ´ilâha ´illa l-Lâh" zu aufzusagen, ist falsch.

Brüder im Islam! Lasst uns gemeinsam über diese Rechte nachdenken, die der Gesandte Gottes ﷺ uns gelehrt hat, damit wir wieder das Gefühl bekommen, dass wir wie ein einziger Körper sind. Wenn an ihm ein Teil leiden würde, dann würde dies dem übrigen Körper Fieber und schlaflose Nächte verursachen.

Dies dazu und ich bitte ALLÂH für euch und für mich um Vergebung.