Man sollte in diesem Zusammenhang Folgendes wissen:

Erstens: Der Vergleich dieser Krankheit mit der Pest oder ähnlichen Seuchen gilt nicht, denn die Sterberate derjenigen, die daran erkranken, ist nicht hoch; die Meisten, die daran erkranken, werden geheilt, sogar die Meisten von ihnen genesen ohne Behandlung.

Zweitens: Überträgt sich die Krankheit von einem Kranken zum anderen durch Ansteckung oder nicht? Die Gelehrten sagten: Wenn damit gemeint sein sollte, dass die Krankheit sich von Natur aus, ohne den Willen und der Bestimmung von Allâh, übertragen würde, dann nein; denn ausnahmslos alles, was im Universum geschieht, geschieht mit dem Willen und dem Erschaffen Gottes, des Erhabenen. Aber in der Bedeutung, dass der Kontakt des Gesunden mit einem Kranken der Grund dafür sein kann, dass er ebenfalls an dieser Krankheit erkrankt, so sind sich die Gelehrten diesbezüglich uneinig. Ein Teil von ihnen sagte: Dies geschieht mit dem Willen Gottes, des Erhabenen, auf diese Weise ist die Krankheit des Ersten die Ursache für die Krankheit des Zweiten; jedoch kann das Verursachte - trotz des Kontakts - ausbleiben, d. h. wenn Allâh es nicht bestimmt hat, dann geschieht es nicht, so ist es bei allen Ursachen. Diese Gelehrten stützen sich hierbei auf die beiden folgenden sowie andere ähnliche Ahâdîth:

فِرَّ منَ المجذومِ فرارَكَ منَ الأسدِ

 

Die Bedeutung lautet: Fliehe vor dem Leprakranken, so wie du vor einem Löwen fliehest.

لا يحُلَّ ممرضٌ على مصحٍّ

 

Dies bedeutet: Eine kranke Kamelherde sollte nicht zu einer gesunden Kamelherde geführt werden. Zu diesen Gelehrten gehören al-Bayhaqiyy, Ibnu s-Salâh, an-Nawawiyy und andere. Ein anderer Teil der Gelehrten sagte: „Die Krankheit einer Person ist kein Grund für die Krankheit einer anderen Person; Allâh erschafft das Entstehen der Krankheit im Zweiten, so wie Er das Entstehen der Krankheit im Ersten erschaffen hat.“ Sie sagten: In der Aufforderung, vor dem Leprakranken zu fliehen, wird nicht zum Ausdruck gebracht, dass der Grund dafür die Ansteckung wäre; dasselbe betrifft den anderen Hadîth. Sie sagen: Die folgenden Ahâdîth wurden authentisch überliefert:

 

لا عدوَى

 

Die Bedeutung lautet: Es gibt keine Ansteckung.

 

لا يُعدِى شَىْءٌ شَيئًا

 

Die Bedeutung lautet: Nichts steckt etwas anderes an.

 

Die Bedeutung lautet: Der Gesunde möge dort hingehen, wo er möchte. Also scheint die Untersagung in den erstgenannten Ahâdîth nicht aufgrund einer Ansteckung zu sein, sondern aus dem Grund, dass der Kummer eines Leprakranken durch den Kontakt mit einer Person, die frei von dieser Krankheit ist, zunimmt. Des Weiteren kann es auch sein, dass der Gesunde etwas zum Ausdruck bringt, was den Kranken stört, wie z. B. sein unangenehmes Gefühl hinsichtlich der Krankheit, oder im Falle, dass er selbst daran erkranken sollte, er sagen würde: „Wenn nicht er, dann wäre ich nicht krank geworden“, was zum Bruch des Herzens und Verletzung des Leprakranken führen würde. Aus diesem Grund wurde der Kontakt untersagt. Auch sollte ein Kranker, der z. B. an Lepra leidet, nicht einen gesunden Menschen aufsuchen, weil es den Gesunden stören könnte, denn die Menschen verabscheuen diese Krankheit. Also hat der Gesandte Gottes صلى الله عليه وسلم dieses aufgrund des Schadens, der dadurch verursacht werden könnte, untersagt und nicht aufgrund einer Ansteckung. Ein Gesunder hingegen darf sich zum Kranken begeben, wenn er dieses geduldig ertragen und aushalten kann. Wenn die Untersagung aufgrund einer Ansteckung wäre, so hätte der Gesandte Gottes es dem Gesunden nicht erlaubt, sich in die Nähe des Kranken zu begeben. Diese Aussage wurde über viele Gelehrte überliefert, dazu gehört Mâlik, Ibn Wahb, und at-Tabariyy; so haben auch al-Bâdjî, al-Qurtubiyy sowie der Hadîth-Gelehrte Ibn Hadjar und andere Gelehrte gesagt. Die erste Gruppe antwortete darauf und sagte als Erläuterung des Hadîth: لا عدوَى d. h. „Es gibt keine Ansteckungen“, dass damit gemeint ist, dass die Krankheit nicht von ihrer Natur aus ansteckt. Dieser Hadîth bedeutet nicht, dass damit ausgeschlossen wird, dass sich die Krankheit von einer Person auf die andere mit dem Willen von Allâh überträgt. Und Allâh ist wissender.

Drittens: Die Methode, wie man mit den Menschen über diese Krankheit spricht: Wenn unser Schaykh al-Harariyy, möge Allâh ihm gnädig sein, nach diesem Ahâdîth gefragt wurde, so erwähnte er manchmal die erste Erläuterung und manchmal die zweite Erläuterung. Es kann sein, dass dies aus dem Grund geschah, weil die Zustände der Fragenden und ihr Niveau im Wissen unterschiedlich waren. Darin steckt kein Schaden, weil bei dieser Angelegenheit Meinungsverschiedenheit herrscht und es sich nicht um etwas Definitives handelt. Es ist nicht verborgen, dass der Drehpunkt beider Aussagen ist, dass die Krankheit mit der Bestimmung und Macht von Allâh geschieht und nicht von ihrer Natur aus und dass durch den Kontakt die Krankheit entstehen kann oder auch nicht. Wenn dies so ist, dann begnügen wir uns damit, wenn wir mit den Menschen sprechen, dass wir diese dieses erwähnen, d. h. dass wir erwähnen, dass wir die Überzeugung haben, dass die Krankheit mit dem Willen und dem Erschaffen von Allâh geschieht und dass der Schöpfer Allâh und nicht die Krankheit ist. Wir erwähnen dieses, ohne weitere Details hinzuzufügen. Und ebenfalls können wir erwähnen, dass bestimmte Krankheiten sich viel schneller als andere verbreiten und dies ist vernehmbare Tatsache. Wenn die Krankheit sich verbreitet, beteiligen wir uns daran, so sehr wir können, mitzuhelfen mittels Medikamente und Schutzes, gemäß dem, was unserer Religion entspricht und nicht gemäß dem, was ihr widerspricht sowie nicht gemäß der Einflüsterungen, Einbildungen oder Angst, die das richtige Denken verhindern. Außerdem ist es nicht schlimm, wenn man den Weg des Schutzes einschlägt, ohne dabei zu übertreiben, wodurch man die religiösen Grenzen überschreiten würde, sowie ohne Schwäche im Vertrauen auf Gott. Wer dies tut, dem untersagen wir dieses nicht und tadeln ihn auch nicht. Wie könnten wir ihn tadeln, obwohl er auf eine Art und Weise den Gründen nachgeht, die unsere Religion erlaubt, um sich selbst vor Schaden zu schützen, den er für sich befürchtet? Ebenfalls ist es so, dass wenn wir jemanden sehen, der ein starkes Vertrauen auf Allâh hat und aufrichtig für Allâh den Kranken hilft, Kontakt mit ihnen hat, sie unterrichtet, sie medizinisch versorgt und ihren Familien bei ihren Bedürfnissen hilft sowie ihnen Gesellschaft leistet und sie beköstigt, diesen tadeln wir deswegen nicht und kritisieren ihn deswegen auch nicht. Wie könnten wir das machen, obwohl er etwas macht, zu dem der Schöpfer aufgefordert hat und was die Religion uns nahelegt?

 

Hier sollte auch darauf hingewiesen werden, dass unsere Religion uns die Sauberkeit zu jeder Zeit nahelegt. Dazu gehört, dass wir unseren Mund beim Niesen bedecken, dass wir nicht auf die heiße Nahrung pusten, um sie abzukühlen, dass wir unsere Hände, wenn sie schmutzig sind, vor dem Essen waschen und ebenfalls nach dem Essen, um das Fett und Ähnliches zu beseitigen, dass man seinen Mund wäscht, sowie den Siwâk tagsüber und nachtsüber benutzt. Auch wird zur pflichtigen Gebetswaschung die empfohlene Gebetswaschung nahegelegt und zusätzlich zur pflichtigen Ganzkörperwaschung die empfohlene Ganzkörperwaschung. Sie fordert uns ebenfalls dazu auf, uns von der Beschmutzung mit Unreinheiten fernzuhalten und verpflichtet uns, uns davon zu bereinigen und die ausgeschiedenen Unreinheiten von den Ausscheidungsorganen zu entfernen, um das Gebet verrichten zu können. Sie untersagt es auch, die Notdurft an Stellen zu verrichten, wo die Menschen zusammenkommen und auch auf den Gehwegen. Und zu anderen Angelegenheiten, zu der sie uns auffordert, und dies gehört zum Sauber- und Reinhalten. Es genügt dafür, dass die diesbezüglichen Ahâdîth einander untermauern, dazu gehört der Hadîth, den at-Tirmidhiyy überlieferte, aus dem hervorgeht, dass die Sauberkeit bei Allâh einen hohen Stellenwert hat; und der Hadîth den at-Tabarâniyy in al-Awsat überliefert hat:

 

الإسلامُ نظيفٌ فتنظَّفُوا

 

Dies bedeutet: Der Islam ist sauber (d. h. makelfrei), so haltet euch sauber. Und andere Ahâdîth deuten auch auf diese Bedeutung hin.

Wenn wir diese Anstandsregeln und ähnliche, die uns unsere Religion nahelegt, mit aufrichtiger Absicht für Allâh einhalten, wird uns im Jenseits Lohn und in der Welt Nutzen zuteilwerden. Und wenn wir diesem aber widersprechen oder hinter uns lassen oder die Aufrichtigkeit dabei vernachlässigen oder die Angewohnheiten der Besten mit Gewohnheiten des Gesindels ersetzen, dann werden wir verlieren, ganz gleich wie sehr wir uns dabei auch bemühen sollten.

Und Allâh, der Erhabene, ist wissender.