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Die Auswanderung des Propheten ﷺ

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 Verehrte Brüder, wir werden heute über etwas Wichtiges sprechen, nämlich über einen Teil der Biographie unseres geehrten Propheten Muhammad . Genauer gesagt, werden wir über seine Auswanderung sprechen, denn gewiss birgt diese viele nutzvolle Lehren für uns. Verehrte Brüder, ALLÂH wählte den Propheten Muhammad und befahl ihm, die islamische Religion zu verkünden und die Menschen zu warnen. So rief er – wie alle anderen Propheten – dazu auf, einzig und allein Gott anzubeten und Ihm keinen Teilhaber beizugesellen. Er rief zur Güte, Gerechtigkeit und zum Aneignen nobler Charaktereigenschaften auf. So sagte er in einem Hadîth, den Imâm al-Bayhaqiyy überlieferte:

إِنَّمَا بُعِثْتُ لِأُتَّمِمَ مَكَارِمَ الأَخْلَاق

Die Bedeutung lautet: „Ich wurde gesandt, um den vorzüglichen Charakter zu vervollkommnen.“

Verehrte Brüder, unser Prophet stieß während seines Aufrufs auf viele große Erschwernisse. Er rief die Menschen offenkundig zum richtigen Glauben an Gott auf und sagte zu ihnen in den Zeiten, in denen sie sich versammelten:

أيُّها الناسُ قُولُوا لا إلَهَ إِلا اللهُ تُفْلِحُوا

Die Bedeutung lautet: O ihr Menschen, sagt ‚Es gibt keinen Gott außer ALLÂH‘ und ihr werdet gerettet sein! Trotz des Schadens und des Leids, der ihm durch sein Volk zugefügt wurde, rief er sie mit Standhaftigkeit und Geduld zur islamischen Religion auf. Sie warfen die Fruchtblase eines Kamels auf seinen Rücken und trotzdem unterließ er nicht den Aufruf zum Islam. Er wurde sogar mit Steinen beworfen; auch dies hielt ihn nicht davon ab, die islamische Religion zu verkünden. Man bot ihm Vermögen und eine hohe Position an. Er wurde sogar seines Lebens bedroht. Doch all dies hielt ihn nicht von seinem Aufruf ab. Seine Feinde sagten zu seinem Onkel: „Was möchte dein Neffe? Wenn es Herrschaft ist, welches er möchte, so geben wir ihm diese und treffen keine Entscheidung, ohne ihn vorher gefragt zu haben. Wenn es Vermögen ist, welches er möchte, so sammeln wir jenes für ihn, sodass er der Reichste unter uns wird. Wenn sein Wunsch Macht ist, so lassen wir ihn den Mächtigsten unter uns sein.“

Die darauf gegebene Antwort des Propheten ist weit und breit bekannt. Er sagte:

واللهِ يا عَمّ لو وَضَعُوا الشمسَ بِيَمِيني والقمرَ بِشِمالِي مَا تَرَكْتُ هذَا الأَمْرَ حَتَّى يُظْهِرَهُ اللهُ أَوْ أَهْلِكَ دُونَه اهـ

Die Bedeutung lautet: Bei ALLÂH, mein Onkel, auch wenn sie mir die Sonne auf die rechte Hand und den Mond auf die linke Hand legen würden, würde ich von meinem Aufruf nicht ablassen.

Verehrte Brüder, der Gesandte Gottes blieb gegenüber den Figurenanbetern sehr standhaft. So einigten sie sich darauf, den Propheten Muhammad zu töten und wählten aus jedem Stamm einen kräftigen Mann und planten, ihn mit einem gemeinsamen Schlag zu töten. So könne man den Mord nicht lediglich einem Stamm zuschreiben und der Stamm des Propheten Muhammad wäre nicht in der Lage, sie alle zu bekämpfen. So kam der Engel Djibrîl zum Gesandten Gottes , berichtete ihm von deren Plan und sagte ihm, nicht an seinem gewöhnlichen Schlafplatz zu übernachten. Daraufhin rief der Prophet den Gefährten ^Aliyy ibn Abî Tâlib und befahl ihm, an seinem Schlafplatz zu übernachten und sich mit seinem grünen Umhang zu bedecken. Außerdem forderte er ihn auf, die Güter, die dem Propheten anvertraut waren, ihren Eigentürmern zurückzugeben. Dieser führte das Befohlene aus. Der Prophet Muhammad verließ sein Haus, vertrauend auf ALLÂH, während die Ungerechten schon vor seiner Tür standen, und rezitierte dabei die ersten neun Âyât aus der Sûrah Yâsîn. Zudem streute er Erde, die sich in seiner Hand befand, über ihre Köpfe. Sie aber konnten das alles nicht sehen, denn ALLÂH, der Erhabene, schützte ihn vor deren Blicken.

Der Gesandte Gottes wählte Abû Bakr als Weggefährten aus. Abû Bakr lief mal vor ihm und mal hinter ihm. Als der Gesandte Gottes nach dem Grund fragte, sagte er: O Gesandter Gottes, mir fällt ein, dass du verfolgt werden könntest, so laufe ich hinter dir; und dann fällt mir ein, dass du von vorne angegriffen werden könntest, so laufe ich vor dir. Bei ALLÂH, mir ist es lieber, dass mir geschadet wird als dir. Als sie an der Höhle ankamen, sagte Abû Bakr sinngemäß: Bei ALLÂH, betrete sie nicht, bis ich zuerst darin war, damit, wenn sich etwas Schädliches darin befindet, es mich trifft und nicht dich.

Er ging hinein und fand nichts vor, erst dann betrat der Prophet die Höhle. In dem Werk Dalâ’ilu n-Nubuwwah wird überliefert, dass sich in der Höhle ein Loch befand und Abû Bakr fürchtete, dass aus diesem etwas herauskommen und dem Propheten schaden könnte. Dann stellte sich Abû Bakr auf dieses Loch und eine Schlage biss ihn so schmerzhaft in den Fuß, dass seine Tränen flossen, dennoch nahm er seinen Fuß nicht weg. Als die Männer des Stammes Qurayschan der Höhle ankamen, sagte Abû BakrO Gesandter Gottes, falls einer von ihnen zu seinen Füßen herunterblicken würde, so würde er uns entdecken. Der Gesandte Gottes sagte zu ihm:

يَا أَبَا بَكْرٍ مَا ظَنُّكَ بِاثْنَيْنِ اللهُ ثَالِثُهُمَا اهـ

Die Bedeutung lautet: Abû Bakr, was sagst du über Zwei, deren Beschützer ALLÂH ist?!

Dieser Hadîth bedeutet nicht, dass ALLÂH sich mit ihnen in der Höhle befunden hätte. Er bedeutet, dass ALLÂH über sie wissend ist, sie beschützt und ihnen hilft.

Der Imâm al-Bayhaqiyy überlieferte in seinem Werk „Dalâ´il an-Nubuwwah“ Folgendes:

In der Nacht der Auswanderung befahl ALLÂH einem Baum zu wachsen, so wuchs er vor dem Propheten und verdeckte ihn; und ALLÂH befahl einer Spinne, den Eingang mit einem Spinnennetz zu verschließen und zwei wilden Tauben vor dem Eingang der Höhle zu bleiben.

Als die Verfolger des Propheten sich mit ihren Stöcken und Schwertern dem Eingang der Höhle näherten, schaute einer von ihnen hinein und sah das Spinnennetz und die beiden Tauben. Er kehrte zu seinen Leuten zurück und sie fragten ihn: Warum hast du nicht in der Höhle nachgeschaut? Er sagte: Ich sah im Eingang der Höhle zwei Tauben und habe dadurch erkannt, dass sich niemand darin befindet.

Als die Suche nach dem Gesandten Gottes nachließ, setzte der Prophet seine Auswanderung nach al-Madînah al-Munawwarah fort und kam dort an einem Montag des Monats Rabî^u l-´awwal unversehrt an. Die Medinenser haben ihn tatkräftig unterstützt und den Aufruf mit ihrer Kraft und ihrem Vermögen gestärkt, sodass sich der Islam in Ost und West verbreitet hat. Möge ALLÂH sie reichlich belohnen.

Verehrte Brüder, ALLÂH schützte seinen besten Propheten mittels eines Spinnennetzes. Erhaben ist ALLÂH, Der das tut, was Er will.

Dies dazu und ich bitte ALLÂH um Vergebung für euch und mich